Industrie-Aktien erholen sich, Kostendruck bleibt bestehen

Gurit, Arbonia, Feintool und Komax verzeichnen kräftige Kursgewinne, doch Sparprogramme bei Schweizer Industriefirmen dürften weiterlaufen.
Schweizer Industrieaktien haben in den vergangenen Wochen deutlich zugelegt. Am stärksten stieg der Kurs von Gurit, dem Zürcher Hersteller von Verbundwerkstoffen für Windkraftanlagen: Die Titel haben sich innerhalb eines Monats mehr als verdoppelt. Der Ostschweizer Bauzulieferer Arbonia legte um 26 Prozent zu, Feintool und Komax je um rund 25 Prozent.
Die Kursgewinne folgen auf einen tiefen Fall. In den vergangenen fünf Jahren verloren Gurit-Aktionäre 70 Prozent, ähnlich hoch waren die Einbussen bei Arbonia, Feintool und Komax. Einkaufsmanagerindizes deuten nun auf eine breitere Erholung der Industrie hin, auch in Deutschland, dem wichtigsten Exportmarkt vieler Schweizer Maschinenbau- und Metallfirmen.
Für Arbonia ist das von Bedeutung: 45 Prozent des Umsatzes stammten in der ersten Jahreshälfte aus Deutschland, wo sich der Wohnungsbau erholt. Die UBS hat kürzlich eine Kaufempfehlung für die Aktie ausgesprochen und rechnet mit einer Gewinnerholung. Bei Gurit sorgt die Nachfrage nach Windturbinen von Herstellern wie Vestas oder Siemens Gamesa für Rückenwind; im Kerngeschäft Wind-Materials stieg der Umsatz im ersten Halbjahr um fast 10 Prozent.
Schwieriger bleibt das Geschäft mit der Autobranche. OC Oerlikon, mittlerweile auf Beschichtungen spezialisiert, hat seine Kundenbasis um Rüstungs- und Luxusgüterhersteller erweitert und den Aktienkurs um fast 60 Prozent gesteigert. Komax hat den Anteil von Geschäften ausserhalb des Automobilsektors von 36 auf 43 Prozent erhöht und profitiert überraschend vom Ausbau von Datenzentren in den USA.
Trotz der Erholung bleibt der Kostendruck hoch. Komax steigerte die operative Marge zwar von 2,7 auf 6,1 Prozent, liegt damit aber weit unter dem angestrebten zweistelligen Zielwert. Sowohl Komax als auch Arbonia haben neue Sparprogramme angekündigt. Der Industrieverband Swissmem meldete an seiner Halbjahreskonferenz, die Ebit-Margen hätten sich im vergangenen Jahr in fast der gesamten Branche verschlechtert.
Was heisst das für Vermieter?
Für Eigentümer von Gewerbeimmobilien und Investoren mit Industriemietern ist die Erholung nur die halbe Geschichte. Solange Firmen wie Komax und Arbonia weiter Kosten senken, ist mit vorsichtiger Flächennachfrage und zurückhaltenden Neuvermietungen zu rechnen statt mit rascher Expansion. Standorte mit exportorientierten Mietern in Maschinenbau, Metall oder Zulieferindustrie dürften von der Konjunkturbelebung erst mit Verzögerung profitieren, während die Automobilzulieferbranche belastet bleibt.
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