ETH-Studie: Reichstes Prozent zahlt am wenigsten Steuern

Eine neue ETH-Studie zeigt: Wer am meisten verdient, trägt in der Schweiz die kleinste Steuerlast – auch dank tiefer Besteuerung von Immobilien- und Firmenvermögen.
Eine neue Studie der ETH Zürich zeigt: Das reichste Prozent der Schweizer Bevölkerung bezahlt gemessen am Einkommen den kleinsten Anteil an Steuern und Abgaben. Das geht aus einer Untersuchung der Ökonomen Enea Baselgia und Isabel Martinez hervor, über die SRF am 15. September 2026 in der Sendung "Echo der Zeit" berichtete.
Die Forschenden gehen erstmals nicht von Steuerdaten aus, sondern von der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung der Nationalbank. Diese Methode stammt ursprünglich von den Ökonomen Thomas Piketty, Emmanuel Saez und Gabriel Zucman und erfasst auch jene Vermögenswerte, die in Steuerstatistiken fehlen: Pensionskassenguthaben und Immobilien zu Marktwerten statt zu den deutlich tieferen Steuerwerten.
Vermögensungleichheit tiefer, Einkommensungleichheit höher
Weil die neue Rechnung Pensionskassenvermögen und Immobilien zu echten Marktwerten mitzählt, wächst vor allem das Vermögen der Mittelschicht in der Statistik. Die gemessene Vermögensungleichheit fällt dadurch tiefer aus als in früheren Studien.
Umgekehrt verhält es sich beim Einkommen. Werden auch einbehaltene Unternehmensgewinne mitgezählt, die nicht ausgeschüttet und darum in Steuerdaten nicht sichtbar werden, steigt das Einkommen des reichsten Prozents um rund die Hälfte. Dieses eine Prozent vereint damit laut Studie rund 17 Prozent aller Einkommen in der Schweiz auf sich.
Warum die Steuerlast an der Spitze sinkt
Genau diese einbehaltenen Gewinne erklären das Muster: Firmenbesitzerinnen und -besitzer zahlen darauf Gewinnsteuer statt Einkommenssteuer – und die Gewinnsteuer liegt tiefer. "Dieses Muster sehen wir auch in allen anderen Ländern, für die es bisher solche Studien gibt", sagt Baselgia laut SRF.
Die Studie rechnet zudem nicht nur Einkommens- und Vermögenssteuern ein, sondern auch Mehrwertsteuer und Krankenkassenprämien abzüglich Prämienverbilligung. Ben Jann, Professor für Sozialstrukturanalyse an der Universität Bern und nicht an der Studie beteiligt, lobt den Ansatz als umfassend, weist aber darauf hin, dass Mehrwertsteuer und Prämien nicht progressiv ausgestaltet sind: "Da bezahlen alle gleich viel." Die Studie wurde bislang keinem Peer-Review-Verfahren unterzogen, soll aber bei einer Fachzeitschrift eingereicht werden.
Was heisst das für Vermieter?
Für Immobilienbesitzer ist der Befund direkt relevant: Die Studie bewertet Liegenschaften zu Marktwerten statt Steuerwerten und macht damit sichtbar, wie stark die kantonale Vermögensbesteuerung Immobilienvermögen gegenüber dem realen Wert begünstigt. Wer über eine Kapitalgesellschaft hält oder Gewinne im Unternehmen belässt, profitiert laut Studie strukturell von tieferen Gewinnsteuersätzen gegenüber der Einkommenssteuer. Angesichts der politischen Debatte um Vermögens- und Eigenmietwertbesteuerung dürfte diese Untersuchung neuen Diskussionsstoff für Steuerreformen liefern, die auch Immobilienbesitzer betreffen.
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