Gasspeicher in der EU tief: Heizkosten-Risiko im Winter

Redaktion3 min read30.09.2026, 00:00gestern
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Gasspeicher in der EU tief: Heizkosten-Risiko im Winter

Die EU-Gasspeicher sind mit rund 71 Prozent schwächer gefüllt als in den Vorjahren, in Deutschland nur zu 57 Prozent. Die Schweiz hat keine eigenen Reserven.

Die europäischen Gasspeicher sind derzeit deutlich schwächer gefüllt als in den beiden vergangenen Jahren. Der EU-Durchschnitt liegt laut Angaben von Gazenergie bei rund 71 Prozent, in Deutschland bei rund 57 Prozent. Die Schweiz besitzt keine eigenen Reservespeicher und ist auf Lieferungen aus der EU angewiesen.

Eine Gasmangellage erwartet die Branche dennoch nicht. «Die Lage ist anspruchsvoller als in den Vorjahren», sagt Jonas Kick, Sprecher von Gazenergie, «allerdings bedeutet dies nicht, dass wir aktuell von einer Gasmangellage ausgehen müssen.» Die Speicher hatten bereits Ende des Winters 2025/26 sehr niedrige Stände. Hohe Beschaffungskosten im Zuge geopolitischer Unsicherheiten erschwerten das Auffüllen. Bei zu hohen Preisen fehlen in unregulierten Märkten die Anreize zum Einspeichern. In manchen Ländern greift inzwischen der Staat ein.

Prognose: rund 74 Prozent bei Wintereinbruch

Marco Saalfrank, Head of Merchant Trading bei Axpo, rechnet nicht damit, dass sich die Speicher in den verbleibenden Wochen noch deutlich füllen. Er schätzt den EU-Füllstand bei Wintereinbruch auf etwa 74 Prozent. Entscheidend seien die Lage in den Golfstaaten und das Wetter.

Bei einem durchschnittlich kalten Winter komme Europa mit diesen Beständen grundsätzlich gut durch die Heizperiode. Fällt der Winter überdurchschnittlich kalt aus, könnte sich die Lage deutlich anspannen. Das würde sich laut Saalfrank voraussichtlich in stark steigenden Gaspreisen niederschlagen. Zusätzlich belastend wären ein anhaltender Ausfall katarischer Exporte und ein windarmer Winter. Eine Wiederaufnahme der Schifffahrt durch die Strasse von Hormus könnte den Markt hingegen deutlich beruhigen.

Massnahmen des Bundes im Ernstfall

Droht eine Mangellage, kann der Bund hoheitliche Massnahmen anordnen. Sie reichen von Sparappellen über die Umschaltung von Zweistoffanlagen auf Heizöl und Verbrauchsbeschränkungen bis zu Kontingentierungen. Betroffen wären in erster Linie ungeschützte Kunden wie Industrie, Gewerbe, Grossverbraucher und Bürogebäude. Für geschützte Kunden, darunter Haushalte, Spitäler und Altersheime, käme das Solidaritätsabkommen mit Italien und Deutschland zum Tragen. Frieren müssten Mieterinnen und Mieter in ihren Wohnungen also kaum.

Eigene Speicher und Diversifizierung

Saalfrank empfiehlt, dass die Schweiz staatliche und kommerzielle Instrumente für zusätzliche Gasreserven und Beschaffungsoptionen in Krisen schafft. Dazu könnten eigene Speicher gehören, wie sie der Lausanner Versorger Gaznat plant. Kick verweist auf offene Fragen bei Finanzierung und Regulierung. Ein Schweizer Speicher würde die Importabhängigkeit zudem nicht grundsätzlich beseitigen.

Saalfrank plädiert ausserdem für den Ausbau verschiedener Energie- und Heizquellen, um die Abhängigkeit von importiertem Gas zu senken. Volle Unabhängigkeit sei nicht das Ziel. Wichtig seien diversifizierte Bezugsquellen, ausreichende Reserven und ein flexibleres Energiesystem.

Was heisst das für Vermieter?

Gasbeheizte Liegenschaften tragen ein Preisrisiko: Steigen die Gaspreise im Winter stark, fallen die Heizkosten in der Nebenkostenabrechnung höher aus als die geleisteten Akonti. Wer die Akonti frühzeitig überprüft, vermeidet grosse Nachforderungen gegenüber den Mietern. Zweistoffanlagen und der Ausbau alternativer Heizquellen verringern die Abhängigkeit von importiertem Gas.