Leerstand Zürich: Warum Investoren auf Luxuswohnungen setzen

Trotz knappem Wohnungsmarkt bleiben in Zürich vermehrt Luxusneubauten leer – ein Signal für Vermieter, die Mietpreisstrategie zu überdenken.
Der Leerstand in Zürich bleibt ein zentrales Thema für Vermieter und Investoren, denn trotz insgesamt angespanntem Markt zeigen sich im Luxussegment auffällige Muster. Zum Stichtag 1. Juni 2026 standen im Kanton Zürich 4'189 Wohnungen leer, gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 374 Einheiten. Die Leerwohnungsziffer stieg dabei von 0,48 auf 0,52 Prozent.
Leerstand in Zahlen: Kanton und Stadt im Vergleich
In der Stadt Zürich selbst bleibt die Situation deutlich angespannter als im Kantonsdurchschnitt. Dort standen per 1. Juni 2026 lediglich 252 Wohnungen leer, was einer Quote von 0,11 Prozent entspricht.
Was als «leer» gilt
Die Stadt Zürich definiert eine Wohnung als leer, wenn sie am Stichtag 1. Juni unbewohnt ist und gleichzeitig zum Kauf oder für mindestens drei Monate zur Miete angeboten wird. Diese enge Definition erklärt, weshalb die städtische Quote so tief bleibt, während sie im gesamten Kanton spürbar höher ausfällt.
Diskrepanz zwischen Gesamtmarkt und Luxussegment
Auffällig ist der Widerspruch zwischen dem insgesamt fast ausgetrockneten Markt und einzelnen leerstehenden Luxuswohnungen. In Oerlikon etwa standen in einem hochpreisigen Neubauprojekt 34 Wohnungen leer, bei einem weiteren Projekt blieben 20 von 124 Einheiten über Monate unvermietet. Diese Zahlen zeigen, dass der knappe Gesamtmarkt nicht automatisch bedeutet, dass jedes Angebot rasch einen Mieter findet.
Wieso Zürich-Investoren dennoch auf Luxuswohnungen setzen
Die Berichterstattung von Ende August 2026 macht deutlich, dass das Thema leerstehender Luxusobjekte in Zürich weiterhin aktuell ist und keine einmalige Randerscheinung darstellt. Investoren setzen bei Neubauprojekten dennoch verstärkt auf das obere Preissegment, obwohl gerade dort ein erhöhtes Risiko für längere Vermarktungszeiten besteht.
Fehlkalkulation bei der Preispositionierung
Die Ursache liegt weniger in fehlender Gesamtnachfrage als in einer möglichen Fehleinschätzung der Zahlungsbereitschaft für sehr hohe Mietzinse. Wenn die Erstvermietungspreise zu ambitioniert angesetzt werden, kann dies selbst in einem knappen Markt zu strukturellem Leerstand führen, während vergleichbare Objekte im mittleren Segment sofort vergriffen sind.
Bedeutung für private Vermieter und Investoren
Für private Vermieter im mittleren oder unteren Mietsegment bleibt Zürich ein klarer Vermietermarkt mit sehr geringer Fluktuation. Leerstehende Objekte in diesem Bereich lassen sich meist nicht durch fehlende Nachfrage erklären, sondern eher durch Preis, Zustand oder unzureichende Vermarktung.
Im Luxussegment sieht die Lage anders aus: Hier ist das Risiko einer verlängerten Vermarktungsdauer strukturell höher, unabhängig von der insgesamt knappen Marktlage.
- Mittleres/unteres Segment: sehr geringe Fluktuation, Leerstand meist preis- oder zustandsbedingt
- Luxussegment: erhöhtes Risiko für strukturellen Leerstand trotz Gesamtmarktknappheit
- Neubauprojekte im Hochpreissegment werden nicht automatisch schnell absorbiert
- Segmentwahl ist in Zürich oft entscheidender als der reine Standort
Konsequenzen für die Mietpreisstrategie
Wer eine Wohnung im gehobenen Segment vermietet oder ein Neubauprojekt plant, sollte die Preispositionierung realistisch an der tatsächlichen Nachfrage ausrichten. Die Beispiele aus Oerlikon zeigen, dass selbst attraktive Lagen im Grossraum Zürich keine Garantie für eine rasche Vermietung im Luxussegment bieten.
Was heißt das für Vermieter?
Private Vermieter im Kanton und in der Stadt Zürich profitieren weiterhin von einem sehr angespannten Gesamtmarkt mit tiefen Leerwohnungsziffern von 0,52 respektive 0,11 Prozent. Wer im mittleren Preissegment vermietet, muss kaum mit Leerstand rechnen, sofern Zustand und Mietzins marktgerecht sind.
Anders sieht es im Luxussegment aus: Hier zeigt der anhaltende Leerstand einzelner Neubauprojekte, dass eine realistische Einschätzung der Zahlungsbereitschaft entscheidend ist. Vermieter und Investoren, die in diesem Segment planen, sollten die Erstvermietungspreise vorsichtig kalkulieren und Vermarktungszeiten von mehreren Monaten einkalkulieren.
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