Analyse de marché

Logistik-Boom 2026: Industriegebäude neu entdeckt

Wolfgang Staufer3 min read21.07.2026, 00:00vor 5 Tagen
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Logistik-Boom 2026: Industriegebäude neu entdeckt

Onlinehandel treibt die Nachfrage nach Lager- und Logistikflächen in die Höhe – und macht verstaubte Industriegebäude plötzlich zu begehrten Renditeobjekten.

Industriegebäude Nachfrage: Ein Markt im Wandel

Lange galten veraltete Fabrikhallen und Lagerschuppen als schwieriges Pflaster im Immobilienmarkt. Doch die Industriegebäude-Nachfrage hat sich in der Schweiz 2026 fundamental verändert. Der anhaltende Boom im Onlinehandel und die Reorganisation globaler Lieferketten machen genau jene Liegenschaften attraktiv, die Vermieter jahrelang kaum loswerden konnten.

Wer heute eine gut gelegene Industrieliegenschaft im Portfolio hat, sitzt möglicherweise auf einem unterschätzten Renditeschatz.


Warum der Logistik-Boom alte Gewerbeflächen aufwertet

Der Schweizer E-Commerce-Umsatz wächst seit Jahren stetig. Onlinehändler, Kurierdienste und Fulfillment-Anbieter benötigen dringend Flächen – und zwar schnell verfügbare, bereits erschlossene Flächen in Agglomerationslagen. Neubauten dauern zu lang und sind zu teuer.

Bestehende Industriegebäude bieten genau das: vorhandene Erschliessung, hohe Deckenhöhen, grosszügige Grundrisse und oft eine strategisch günstige Lage nahe Autobahnzubringern oder Güterverkehrsachsen. Was früher als Nachteil galt – die Lage ausserhalb des Stadtzentrums –, ist heute ein klarer Pluspunkt für Logistiknutzer.


Last-Mile-Logistik als Treiber der Nachfrage

Ein besonders dynamisches Segment ist die sogenannte Last-Mile-Logistik: die letzte Etappe eines Pakets vom regionalen Depot bis zur Haustür. Dafür brauchen Logistiker kleinere bis mittelgrosse Umschlagsstandorte in der Nähe städtischer Gebiete.

Diese Anforderungen decken sich oft mit dem Profil älterer Gewerbe- und Industrieliegenschaften in Agglomerationsgemeinden rund um Zürich, Basel, Bern oder Genf. Die Mietnachfrage in diesen Mikrolagen ist 2026 spürbar gestiegen.


Was Vermieter von Industrieliegenschaften jetzt prüfen sollten

Nicht jede alte Halle eignet sich ohne Weiteres als Logistikfläche. Vermieter sollten verschiedene Faktoren kritisch bewerten:

  • Deckenhöhe: Mindestens 6–8 Meter für moderne Regalsysteme
  • Bodenbelastbarkeit: Schwere Fahrzeuge und Staplerverkehr erfordern robuste Industrieböden
  • Anlieferungszonen: Ausreichend Rampen und Rangierflächen auf dem Grundstück
  • Erschliessung: Direkte Anbindung an Haupt- oder Kantonsstrassen
  • Energieversorgung: Ausreichende Anschlussleistung für Ladetechnik und Kühlung
  • Brandschutz und Bewilligungen: Nutzungsänderungen erfordern oft neue Baubewilligungen

Sind diese Voraussetzungen erfüllt oder mit überschaubarem Aufwand herstellbar, stehen die Chancen gut, dass die Liegenschaft für Logistikmieter interessant ist.


Wertsteigerungspotenzial durch Nutzungsanpassung

Viele Industriegebäude in der Schweiz wurden ursprünglich für Produktion oder Handwerk gebaut. Mit gezielten Investitionen – neue Toranlagen, bessere Beleuchtung, Isolierung – lassen sie sich für die Logistiknutzung optimieren. Solche Massnahmen amortisieren sich oft schnell, wenn dadurch langfristige Mietverträge mit bonitätsstarken Logistikunternehmen oder Onlinehändlern abgeschlossen werden können.

Längere Mietlaufzeiten sind in diesem Segment üblich. Viele Logistikmieter bevorzugen Verträge über fünf bis zehn Jahre, was für Vermieter eine wertvolle Einkommensstabilität bedeutet.


Gewerbeimmobilien Schweiz: Regionale Unterschiede beachten

Die Nachfrage ist nicht überall gleich stark. Besonders gefragt sind Standorte:

  • Im Grossraum Zürich und entlang der Autobahn A1
  • In der Nordwestschweiz (Basel, Aarau, Olten) als Logistikdrehscheibe
  • In der Genferseeregion mit Anschluss an Frankreich

In peripheren Lagen ohne gute Strassenanbindung ist das Potenzial deutlich geringer. Eine ehrliche Standortanalyse ist der erste Schritt, bevor Vermieter in Umbaumassnahmen investieren.


Fazit: Jetzt den Wert der eigenen Liegenschaft neu einschätzen

Der Logistik-Boom 2026 ist kein kurzfristiges Strohfeuer. Strukturelle Veränderungen im Konsumverhalten – mehr Onlineshopping, Expresslieferungen, dezentrale Lagerhaltung – treiben die Nachfrage nach Logistikflächen langfristig an.

Vermieter von Gewerbe- und Industrieliegenschaften sollten ihre Objekte deshalb mit frischen Augen bewerten: Was früher als unattraktive Altlast galt, kann heute ein gefragtes Renditeobjekt sein. Eine professionelle Marktanalyse und gegebenenfalls eine Anpassung der Vermietungsstrategie können sich lohnen – bevor die Konkurrenz die Gelegenheit ergreift.