Hotel Lej da Staz bei St. Moritz an Phantom-Investor verkauft

Redaktion3 min read21.09.2026, 00:00vor 11 Stunden
Share X LinkedIn
Hotel Lej da Staz bei St. Moritz an Phantom-Investor verkauft

Ein Engadiner Traditionshaus am Stazersee wechselt für rund 15 Millionen Franken den Besitzer – doch wer wirklich dahintersteht, bleibt im Dunkeln.

Das Hotel Lej da Staz am Stazersee bei St. Moritz hat für rund 15 Millionen Franken den Besitzer gewechselt. Verkäufer war der deutsche Multimillionär Kurt Engelhorn, dessen Familie das Anwesen seit Jahren über eine Liechtensteiner Anwaltskanzlei zum Verkauf anbot. Den Zuschlag erhielt, wie die NZZ am Sonntag berichtet, nicht ein einheimisches Konsortium, sondern mutmasslich der österreichische Investor Thomas Röggla, der im Engadin bislang als Phantom gilt: Selbst gut vernetzte Einheimische kennen ihn kaum.

Dabei stand ein lokaler Käufer bereits in den Startlöchern. Der St. Moritzer Gastronom Christoph Schlatter, dessen Laudinella-Gruppe das Hotel Lej da Staz seit Jahren als Pächterin führt, hatte mit zwei Schweizer Investoren die Finanzierung organisiert und ein Betriebskonzept mit Behörden abgestimmt. Als er den Kaufvertrag unterschreiben wollte, teilten Engelhorns Anwälte mit, das Hotel sei bereits verkauft.

Formell kontrolliert eine Firma das Hotel Lej da Staz, bei der der St. Moritzer Anwalt Andrea-Franco Stöhr Einzelunterschrift hat. Über die Geldgeber macht er keine Angaben, sichert aber zu, die Käuferschaft sei im Engadin verwurzelt und wolle den Betrieb unverändert weiterführen. Das Restaurant solle öffentlich zugänglich bleiben, ein verlängerter Pachtvertrag mit der Laudinella sei denkbar.

Röggla selbst wollte sich zu den Besitzverhältnissen nicht äussern. Er war bis 2011 grösster Aktionär der Modelagentur Elite Model Management und baute später in Irland die Hotelgruppe TMR Collection mit fünfzehn Häusern auf. Laut Baueingaben ist er zudem Geschäftspartner von Oliver Stastny, der über die Firma Peakside Property Management (PPM) Luxuswohnungen im Engadin vermietet, Einstiegsmiete laut Recherche 80'000 Franken pro Woche.

Sorge vor jahrelanger Baustelle

Das Hotel liegt in einem Moorschutzgebiet, das jede grössere bauliche Veränderung ausschliesst. Celerinas Gemeindepräsident Andrea Fanconi sagt, unter diesen Auflagen sei nur der Erhalt des heutigen Zustands realistisch. Wie die neuen Eigentümer damit eine Rendite erzielen wollen, bleibt offen.

Als Warnbeispiel gilt die nahe gelegene Meierei, die seit fünf Jahren als Baustelle brachliegt und laut Plan erst 2028 als Boutiquehotel wiedereröffnen soll, auch dort ist Stöhr im Handelsregister als Einzelzeichnungsberechtigter eingetragen. St. Moritz' scheidender Gemeindepräsident Christian Jott Jenny kritisiert, manche Investoren hätten kein echtes Verständnis für den Ort, während Berater am hohen Kaufpreis prozentual mitverdienten.

Was heisst das für Vermieter?

Der Fall zeigt, wie stark ausländisches Kapital weiterhin um Engadiner Toplagen konkurriert, selbst wenn Bau- und Nutzungsauflagen jede klassische Rendite ausschliessen. Für Investoren in Schweizer Feriendestinationen lohnt sich ein genauer Blick auf Zonenpläne und Schutzauflagen, bevor Kaufpreise weit über dem substanziellen Wert akzeptiert werden. Wo Eigentümerstrukturen über Anwaltsfirmen mit Einzelunterschrift verschleiert bleiben, sinkt zudem die Verlässlichkeit von Zusagen an Gemeinden und Pächter.