KOF hebt BIP-Prognose 2026 auf 1,9 Prozent an

Das KOF-Institut der ETH Zürich erwartet für die Schweiz 2026 ein reales BIP-Wachstum von 1,9 Prozent, die Arbeitslosenquote steigt aber auf 3 Prozent.
Das KOF-Institut der ETH Zürich hat seine Wachstumsprognose für die Schweiz deutlich angehoben: Das reale Bruttoinlandprodukt soll 2026 um 1,9 Prozent zulegen, für 2027 rechnen die Forscher mit 1,7 Prozent. Die Zahlen präsentierte das Institut an einer Medienkonferenz.
Hauptgrund für die Korrektur ist ein ausserordentlich starkes zweites Quartal. Die Pharmaindustrie exportierte im Frühling sehr viele Medikamente, und auch die übrige Industrie erholte sich nach jahrelanger Schwächephase. Dazu kommt die unerwartet gute Entwicklung in Deutschland, dem wichtigsten Absatzmarkt der Exportindustrie. Das Bundesamt für Statistik hat zudem das BIP-Wachstum 2025 von 1,5 auf 1,8 Prozent nach oben revidiert.
Erholung, kein Boom
KOF-Direktor Jan-Egbert Sturm spricht nicht von einem Boom, sondern von einer Normalisierung. Die Wirtschaft kehrt demnach zu ihrem Wachstumspotenzial von rund 1,8 Prozent pro Jahr zurück. Für einen Boom wären deutlich über 2 Prozent nötig. Die Unternehmensstimmung sei weltweit gut, auch weil Firmen den Erdölpreisschock im Zuge des Iran-Kriegs erstaunlich gut verkraftet hätten. Der KI-Investitionsboom stützt die Weltkonjunktur zusätzlich.
Als Risiken nennt das Institut die Handelspolitik der USA, die hohe Verschuldung vieler westlicher Industrieländer bei steigenden Zinsen, anhaltende geopolitische Spannungen und ein mögliches Ende der KI-Euphorie.
Einkommen steigen, Arbeitslosigkeit auch
Das verfügbare Einkommen pro Kopf ist laut KOF von 2019 bis 2026 im Durchschnitt aller Haushalte um rund 10 Prozent gestiegen, getragen von höheren Löhnen und Kapitaleinkommen. Auch 2027 und 2028 dürfte es zunehmen. Die Einkommen wuchsen stärker als der Privatkonsum, die Haushalte haben also gespart. Der Privatkonsum trug in den letzten Jahren jeweils rund die Hälfte zum Wirtschaftswachstum bei.
Am Arbeitsmarkt entstehen viele neue Stellen, gleichzeitig ist die Arbeitslosenquote von rund 2 Prozent (2023) auf 3 Prozent (2026) gestiegen. Die KOF erwartet in den nächsten zwei Jahren nur einen leichten Rückgang. Besonders betroffen sind Hochschulabsolventen: Seit 2024 hat die Arbeitslosigkeit in dieser Gruppe stark zugenommen, was die Forscher auf den KI-Einsatz in Banken, Pharmafirmen, Planungs- und Beratungsbüros zurückführen.
Was heisst das für Vermieter?
Steigende Einkommen und eine wachsende Beschäftigung stützen die Zahlungsfähigkeit der meisten Mieterhaushalte und damit die Nachfrage nach Wohnraum. Die Arbeitslosenquote von 3 Prozent zeigt aber, dass die Erholung nicht überall ankommt; bei der Mieterauswahl lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf Branche und Anstellungsverhältnis, etwa bei Berufseinsteigern mit Hochschulabschluss. Die Verschuldungs- und Zinsrisiken, die die KOF benennt, bleiben ein Thema für die Finanzierungsplanung.
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