Schweizer Gasbranche warnt vor Winter: Preis fast verdreifacht

Die Gasbranche blickt mit Sorge auf den Winter: Der Preis stieg seit Januar von 28 auf fast 73 Euro pro Megawattstunde, und die Speicher in Deutschland und Holland sind historisch tief gefüllt.
Die Schweizer Gasbranche geht angespannt in den kommenden Winter. Der Gaspreis im Grosshandel hat sich seit Januar von 28 Euro auf fast 73 Euro pro Megawattstunde erhöht, vor allem wegen des Kriegs im Nahen Osten. Das sagte Daniela Decurtins, Direktorin des Verbands der Schweizerischen Gasindustrie, im «Echo der Zeit» von SRF.
Die Strasse von Hormus ist laut Decurtins weiterhin gesperrt. Dadurch steht weniger Flüssiggas (LNG) auf dem Weltmarkt zur Verfügung. Hinzu kommen historisch tiefe Speicherfüllstände in Deutschland und den Niederlanden, während die Speicher in Frankreich und Italien gut gefüllt sind. Die Unsicherheit sei deutlich höher als in den vergangenen Jahren. Offen ist vor allem, wie kalt der Winter wird.
Preisentwicklung und Worst Case
Eine Lage wie 2022, als der Gaspreis auf bis zu 340 Euro stieg, erwartet die Branche nicht. Spezialisten halten im ungünstigsten Fall eine nochmalige Verdoppelung für möglich. Dass Haushalten und Industriebetrieben das Gas ganz abgedreht wird, gilt als unwahrscheinlich. Knapper und teurer könnte es aber werden.
Keine eigenen Speicher, neue Absicherung
Die Schweiz besitzt keine eigenen Gasspeicher und bezog Gas traditionell vor allem aus Deutschland. Im vergangenen Frühjahr schuf die Branche eine Notfalloption: Gas aus der Transitleitung von Frankreich über die Schweiz nach Italien kann bei Knappheit abgezweigt werden. Im Gegenzug wird in Italien Gas gekauft und abgetauscht. Decurtins vergleicht das mit einer Versicherung, die vor allem Industrie und Gewerbe schützen soll.
Erneuerbares Gas als Entlastung
Klimaneutrale Gase wie Biogas machen derzeit im Schnitt rund 10 Prozent des Verbrauchs aus. Die Branche peilt für 2030 einen Anteil von 15 Prozent an, bis 2050 sollen es 100 Prozent sein. Die inländische Produktion soll sich bis 2030 voraussichtlich verdoppeln. Die Schweiz ist zudem der grösste Biomethan-Importeur Europas. Das dürfte künftige Winter entlasten, nicht aber den bevorstehenden. Wer weniger vom internationalen Gaspreis abhängt, spürt Marktturbulenzen künftig weniger.
Was heisst das für Vermieter?
Wer Liegenschaften mit Gasheizung besitzt, muss mit höheren Energiekosten rechnen. Steigt der Gaspreis in der Beschaffung, schlägt er über die Heizkostenabrechnung auf die Nebenkosten der Mieter durch. Vermieter sollten Akonto-Zahlungen prüfen und frühzeitig kommunizieren, damit Nachzahlungen im Folgejahr nicht überraschen. Langfristig lohnt der Blick auf Alternativen zur Gasheizung oder auf Biogas-Angebote des Versorgers.
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